Martin Geiser: Ein Jahr mit Valérie

Im vergangenen Oktober veröffentlichte Martin Geiser, Lehrer an der Berufsfachschule Langenthal, seinen vierten Roman. Er kategorisiert «Ein Jahr mit Valérie» als «Generationenroman». Und das macht durchaus Sinn.
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Buchcover Martin Geiser «Ein Jahr mit Valerie» arrangiert mit Efeu und zwei Kerzen für Rezension

Im vergangenen Oktober veröffentlichte Martin Geiser, Lehrer an der Berufsfachschule Langenthal, seinen vierten Roman. Er kategorisiert «Ein Jahr mit Valérie» als «Generationenroman». Und das macht durchaus Sinn. 

Eine aussergewöhnliche Freundschaft

Der 78-jährige Bernhard Winter geniesst als ehemaliger Musiklehrer seinen Ruhestand. Sein Tagesablauf ist genau geplant: Kaffee und Morgenzeitung, dann eine obligate Runde mit seinem Cockerspaniel Herbert auf dem Friedhof, wo er eine frische Rose auf Theresas Grab legt. Theresa, die grosse, unerfüllte Liebe seines Lebens.

Eines Tages trifft er da auf die 16-jährige Valérie. Forsch und mit Zigarette in der Hand verwickelt sie ihn in ein Gespräch, das konfliktreich endet. Valérie scheint wenig umgänglich – und dennoch reizvoll…

In den nächsten Tagen und Wochen treffen sie sich in regelmässigen Abständen immer wieder, zuerst rein zufällig, später absichtlich. Und im Laufe des Jahres entwickelt sich eine tiefe Freundschaft: Bernhard vertraut Valérie seine Lebensgeschichte an. Und auch Valérie scheint jemanden gefunden zu haben, der ihr endlich zuhört und sie versteht. 

Generationen können voneinander lernen

Martin Geiser zeigt mit seiner Geschichte sehr schön, wie Generationen voneinander profitieren können. So ist es nicht nur Valérie, die vom pensionierten Lehrer lernen kann, sondern auch umgekehrt. 

Valérie bringt mit ihrer aufmüpfigen Art frischen Wind in Bernhards Leben. Sie reisst ihn aus seiner Starre, impft ihm Unbeschwertheit und lehrt ihn ausserdem den Umgang mit seinem Handy. Bernhard bringt ihr im Gegenzug die Vorzüge der klassischen Musik näher – sie ihm Eminem.

Während Bernhard Vergangenheitsbewältigung betreibt, blüht Valérie auf – und das nicht nur wegen ihrer neuen Lehrstelle als Floristin… Aber dann sind da auch noch Valéries Stimmungsschwankungen. Bernhard erkennt bald, dass Valérie hinter ihrer brüsken, aggressiven Art eine grosse Verletzlichkeit verbirgt. 

Ein etwas zu lang geratener Einstieg

Die Thematik dieses Buches finde ich ganz wunderbar. Die nicht immer ganz reibungslos verlaufende Annäherung der beiden Protagonisten gelungen. Trotz alledem, gibt es aber auch Dinge, die mich beim Lesen etwas irritiert haben.

Wir erleben Bernhard im ersten Teil in einem nahezu lethargischen Alltagstrott. Thematisch ist diese Sequenz zwar sehr passend, strukturell aber zu lang geraten, wie ich finde. Auch leuchten mir die Beweggründe der Hauptfiguren nicht durchwegs ein und ein klares Ziel und ein Kampf des Protagonisten, ein unausweichlicher Konflikt, an dem er sich abarbeitet – das hat mir persönlich irgendwie gefehlt. 

👉 Dennoch: «Ein Jahr mit Valérie» ist eine schöne Geschichte, die wunderbar in die Weihnachtszeit passt: Liebe, Geborgenheit und Selbstverantwortung – darum gehts in diesem Buch.

Ich wünsche euch allen einen gelungenen Start in ein grandioses 2021! 💚 

Ein Jahr mit Valérie

von Martin Geiser

Werd & Weber Verlag AG | 2020 | 328 Seiten

ISBN 978-3-03818-287-3 | Taschenbuch

Zum Buch

Disclaimer: Rezensionsexemplar vom Autor

1 Kommentar

  1. Zeilentänzerin

    Hallo Noëmi, danke für die schöne Rezension! Ich freue mich immer, mir noch unbekannte Bücher kennen zu lernen! Dir vorweg auch schon einmal einen guten Rutsch in 2021!

    Antworten

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