REZENSION | Sarah Dessen: The Moon and more

Sand. Sommertouristen. Meer. Und mittendrin Emaline. Im Sommer vor dem College arbeitet sie im Familienbetrieb «Colby Ferienvermietungen & Immobilien» mit und kümmert sich um das Wohl der Gäste. Als eines Tages die Filmemacherin Ivy und ihr ambitionierter Assistent Theo einchecken, wird Emalines Leben einmal komplett durcheinander gewirbelt. 

Autorin und Jugendbuch-Ikone

The Moon and more ist definitiv nicht Sarah Dessens erster Roman. Ganz im Gegenteil, sie ist eine der immer wiederkehrenden Bestsellernamen in der amerikanischen Jugendliteratur. Ihre Bücher wurden bereits in über dreissig Ländern veröffentlicht und über Millionen von Exemplaren verkauft. 2017 wurde sie von der American Library Association für ihren aussergewöhnlichen Beitrag für die Jugendliteratur mit dem «Margaret A. Edwars Award» ausgezeichnet. 

Sarah Dessen versteht es, die Gefühlslage junger Frauen genau zu erfassen und schreibt dabei sehr realitätsnah. Ihre Figuren sind menschlich gestaltet und an Konflikten rackern sich Emaline, Theo und Co. genauso ab wie wir. Oft ergeben sich keine schwarz-weiss-Lösungen in Sarah Dessens Bücher – die Lösung ist vielmehr grau meliert, nuanciert und beinhaltet meist Akzeptanz, Selbstbewusstsein und selber formulierte Ziele. 

Namen und Charaktere harmonieren

Beim Lesen von The Moon and more gefiel mir Emalines Name so gut, dass ich dessen Bedeutung nachgeschlagen habe. Das mache ich selten. «Fleissig» stand da, sehr passend. Emaline ist achtzehn Jahre jung, immer auf Achse, sie kann anpacken und tut es auch. Sie findet Lösungen, wo Dinge unmöglich erscheinen.

Natürlich hab ich dann gleich auch Theo nachgeschaut: «Geschenk Gottes». Ich musste lächeln. Auch hier wieder sehr treffend und ich vermute, die Autorin hat diese Namen nicht umsonst so gewählt. Theo stammt aus wohlhabendem Hause, ist weltoffen, optimistisch, ansteckend motiviert und sehr ambitioniert. Er will stets nur das Allerbeste. 

Auch bei Luke («hell, weiss, ins Licht Geborener») passt der Name perfekt zu seiner Art immer dann aufzutauchen und zu helfen, wann und wo es ihn gerade braucht. Benji («Sohn des Glücks») ist Emalines Bruder und ein kleiner Sonnenschein, voller Energie und Tatendrang.

Emaline und ihr biologischer Vater führen eine schwierige Beziehung, denn er hat ihre Mutter noch vor Emalines Geburt verlassen. Seither glänzt er hauptsächlich durch Abwesenheit. Im Gegensatz dazu sorgt sich ihr Dad seit der Adoption sehr um seine Tochter und sichert sich damit den Kosenamen in der Geschichte.

Die Beziehung zwischen Emaline und ihrer Mutter ist derart wichtig, dass sie titelgebenden wird. Die liebende Mutter, die behütende Mutter, die sich um ihr Kind sorgt und immer da ist, wenn Emaline sie braucht. Sie ist aber auch die Figur, die ihr Junges am liebsten im «Colby-Nest» behalten möchte und hat so sicher auch einen beengenden Charakterzug.

Aufforderung an die Jugend: Eigene Wege sind immer die besten Wege

Zwischen den Zeilen verbergen sich wertvolle Botschaften für junge Leserinnen und Leser. So entscheidet sich Emaline beispielsweise nicht für die Eliteuni mit Vorzeigecharakter, sondern für die Uni, welche sich für sie richtig anfühlt. Sie wählt nicht das allgemein Beste und Beliebteste, sondern das, was für sie persönlich das «Allerbeste» ist – und dieses findet sie inmitten von Gegensätzen:

Denn um echtes Leben zu erfahren, braucht man alles: das Gute und Schlechte, den Strand und den Beton, das Vertraute und das Fremde, große Redenschwinger und kleine Kaffbewohner. Denn wie sonst war es zu erklären, dass ich inmitten all dieser Gegensätze meinem ganz persönlichen Allerbesten so nahe war?

Ideale Ferienlektüre und Jugendbuch-Tipp

Sarah Dessen hat in meiner Jugend schon klar zu meinen Lieblingsautorinnen gehört. Besonders gefallen hat mir damals Zwischen jetzt und immer. Das Buch steht heute noch – ziemlich abgewetzt mittlerweile – in meinem Bücherregal. 

Harmonische Figuren, glaubwürdige Entwicklungen, feinfühlige Beobachtungen und wertvolle Botschaften an junge Leserinnen und Leser – das alles macht die Bücher von Sarah Dessen aus. In The Moon and more sind es zudem die Feriendestination am Meer und die einfache und flüssige Sprache (hier in der Übersetzung von Michaela Kolodziejcok), welche das Buch zu einer perfekten Ferienlektüre (insbesondere für Jugendliche) machen. 

SARAH DESSEN
THE MOON AND MORE
Übersetzung aus dem Englischen von Michaela Kolodziejcok
© dtv digital
eISBN 978-3-423-42691-6
Erschienen in 2015
ePub
350 Seiten
Deutsche Erstausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2015
Amerikanische Originalausgabe: Viking Children’s Books, 2013

Du willst mehr? Weitere vorgestellte Bücher findest du unter Rezensionen oder im Autoren A-Z.

2 Comments
  • Zeilentänzerin
    Posted at 20:08h, 14 Juni Antworten

    Eine Autorin, die mir bisher nichts sagte. Ich habe auch einige Jugendbuchschätze in meinem Regal stehen und finde es daher immer interessant, Neues zu entdecken.

    Zeilentänzerin

    • Noëmi
      Posted at 15:31h, 08 Juli Antworten

      Sarah Dessen kann ich dir wirklich empfehlen.<3

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