REZENSION | Marco Müller: Plus ultra

Ein eingefleischter Junggeselle und eine quirlige junge Frau, die der Zufall in Madrid zusammenführt, suchen gemeinsam, aber aus unterschiedlichen Motiven, nach derselben Person. Ihre Suche, die zu einer abenteuerlichen Reise wird, führt sie nach Mexiko-Stadt und schliesslich an die Golfküste nach Veracruz, wo das Geschehen eine dramatische Zuspitzung erfährt.

– Inhalt Klappentext Gai Saber
Stark beschreibender Stil

Plus ultra ist einer dieser stark beschreibenden Romane mit einer sehr visuellen Sprache. Marco Müller reist mit seinen Protagonisten und uns von Madrid nach Mexiko-Stadt und Veracruz. Man spürt aus dem Text heraus, dass Müller selbst an diesen Orten gewesen sein muss. Er beschreibt sehr genau – fast zu genau für meinen Geschmack.

Die ausführlichen Schilderungen der Szenen vielzähliger Essen oder Ausflüge – oft ohne dramaturgisches Ziel – nehmen Überhand. Oft habe ich mich beim Lesen gefragt: Um was geht’s eigentlich genau? Was will Pancroz, der Protagonist? Die Sätze sind teilweise sehr lange (manchmal über eine eBook-Seite hinaus), was zu einem gemächlichen Tempo und leider wenig Spannung führt.

Wo bleiben die Emotionen?

Etwa in der Mitte des Buches habe ich dann herausgefunden, was mir beim Lesen wirklich gefehlt hat: Die Gefühle und Emotionen der Protagonisten. Die fehlen fast durchwegs oder sind in Gedanken umformuliert und müssen vom Lesenden darum oft erraten werden. Manche der Handlungen oder Entscheidungen ergaben für mich kaum Sinn: Weshalb hat Pancroz etwas auf diese Weise und nicht anders gemacht? Warum hat er sich dazu entschieden, das Flugzeug zu besteigen, warum den Chef nicht anzurufen und ihn über die Reise zu informieren? Sein innerer Kampf wird kaum sichtbar.

Ein tragender Aspekt der Geschichte ist ausserdem die Beziehung zwischen Teresa und Pancroz. Wird eine Liebschaft, Affäre daraus? Doch auch hier sind es erstaunlicherweise nicht die Gefühle, welche die zentrale Rolle spielen, sondern die Überlegungen, die sich Pancroz dazu macht.

Historischer Background

Die historischen Verknüpfungen im Buch finde ich spannend. Müller kennt sich mit dem Thema aufgrund seiner Masterarbeit gut aus, das merkt man. Wobei auch diese Elemente und Szenen für mich leider zu wenig dramaturgische Anknüpfung im grossen Ganzen finden. Es braucht meines Erachtens einen knackigeren Konflikt, an dem sich die Figuren abmühen (auch emotional), mehr Persönlichkeit der Figuren und mehr Stringenz. Und vielleicht auch weniger Szenen.

Alles in allem ein Buch, das thematisches Potenzial in sich trägt und in einer schönen, bilderreichen, wenn auch stark beschreibenden Sprache geschrieben ist. Dramaturgisch und in den Charakteren würde ich mir aber mehr «Fleisch am Knochen» wünschen.


Marco Müller: Plus ultra. © Gai Saber 2021. ISBN 978-3-907320-01-3, eBook ePub, 192 Seiten.


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