Titelbild Nomaden von Laetoli, ©Foto: Buchgezwitscher

REZENSION | H. S. Eglund: Nomaden von Laetoli

Die Wissenschaft basiert auf Fakten, Tatsachen und logischen Denkweisen. Was aber, wenn sich eine wissenschaftliche Beobachtung auf einmal nicht mehr logisch erklären lässt?

Die Wiege der Menschheit oder Wissenschaft versus Transzendenz

In seinem Roman Nomaden von Laetoli stellt der Ingenieur und Publizist H. S. Eglund Fragen nach der Wiege unserer Zivilisation und damit auch gleich die Wissenschaft in Frage: Was, wenn der Ursprung der Menschheit tief in uns statt irgendwo in der Erde begraben liegt? Was, wenn wir Antworten vielmehr in der Transzendenz statt in alten Knochen suchen sollten? Was, wenn sich Beobachtungen gänzlich der Logik entziehen? Was dann?

H. S. Eglund hat als Wissenschaftsjournalist und Reporter in Afrika gearbeitet und bringt viel Lokalkolorit aus dem südlichen Kontinent mit ein.

Ein Archäologe auf der Suche nach Antworten

Der junge Wissenschaftler Martin Anderson steht in der Blüte seines Lebens: Er hat soeben die versunkene Hafenanlage des Wikingerfürsten Eirik entdeckt und geniesst unter seinen Kolleginnen und Kollegen grosse Achtung. Da wird er vom renommierten Archäologen Professor Miller nach Laetoli gerufen. Miller erforscht Millionen Jahre alte Fossilien von menschlichen Vorfahren. Etwas unentschlossen reist Anderson nach Afrika und trifft auf Millers attraktive Assistentin, Sewe Akashi, eine Naturwissenschaftlerin und Botanikerin. Afrika scheint auf einmal nicht mehr so bedrückend.

Doch dann erfährt Anderson vom wirklichen Grund seiner Reise: Miller behauptet die ersten Menschen leibhaftig gesehen zu haben – und Anderson solle nun den Beweis dafür finden. Anderson fühlt sich hin und her gerissen. Ist Miller verrückt geworden? Ein solcher Beweis kann ihn seine Karriere kosten. In der trostlosen Wüstenhitze der Serengeti beginnt eine beschwerliche Reise und eine Suche nach Antworten.

Eindrückliche Bilder

H. S. Eglund hat eine schöne Sprache. Er formuliert treffend, sein grosser Wortschatz lässt eindrückliche Bilder und Welten in der Fantasie entstehen. Man spürt auch, dass er aus der Erinnerung und eigener Erfahrung schreibt. Seine Sätze sind eher lang, Beschriebe ausführlich, unaufgeregt. Dafür fliessend und stimmungsvoll. Manchmal verliert die Geschichte den roten Faden und wird an einigen Stellen leider etwas langfädig.

Wie wars für mich persönlich?

Ich fand die Auseinandersetzung und Gegenüberstellung von Wissenschaft und Transzendenz ein sehr spannender Gedanke, über den ich noch nie so ausführlich nachgedacht habe. Für mich war es erfrischend, die Regeln der Wissenschaft für einmal in Frage gestellt zu sehen. Damit ergeben sich viele neue Möglichkeiten, die Welt zu betrachten.

Die lange Reise des Protagonisten, die Zeitsprünge und die teils zusammengewürfelt wirkenden Teile der Geschichte waren für mich beim Lesen leider etwas beschwerlich. Ich hätte mir etwas mehr Drive gewünscht und habe darum mehrere, auch längere Pausen eingelegt.


H. S. Eglund: Nomaden von Laetoli. ViCON Verlag 2021. ISBN 978-3-9524761-9-2, Kartonierter Einband, 412 Seiten.


Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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1 Kommentar
  • Zeilentänzerin
    Veröffentlicht um 18:16h, 12 Dezember Antworten

    Hey 🙂 super spannendes Thema, mit dem ich mich auch noch nicht differenziert auseinander gesetzt habe. Danke für die Rezension zum Buch.

    Liebe Grüße,
    Zeilentänzerin

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