Karine Lambert: Der unsichtbare Garten

Roman | Der Roman erzählt, wie ein junger Mann nach einem harten Schicksalsschlag in einem verwilderten Gemüsegarten wieder zu sich findet und trotz Blindheit nach und nach «neue Farben» zu sehen lernt.
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In 3 Wochen blind

Vincents Träume lösen sich auf einen Schlag in Luft auf, als er die Prognose erhält: In 3 Wochen sei er blind. Er, der Tennisspieler. Wie soll das gehen?

Das Leben hat plötzlich ganz andere Pläne für den jungen Mann und er aber seine liebe Mühe damit. Um keine Zeit zu verlieren, erstellt er eine Liste von Dingen, die er vor dem Erblinden noch erlebt haben möchte. Punkt eins auf der Liste: Ins Haus seiner Grosseltern ziehen.

Seit dem Tod seines Grossvaters hat der früher liebevoll gepflegte Gemüsegarten viel durchgemacht. Die Stunden mit seinem Grossvater im Garten hat Vincent immer geliebt. Also greift er zur Hacke und legt eilig los.

Beeil dich mit der Langsamkeit

Trotz dem Verlust seines Augenlichts schafft es Vincent nach und nach und mit viel Disziplin, das Leben in neuen Farben zu sehen. Er lernt, sich mit den anderen Sinnen zu orientieren oder Dinge und Menschen wahrzunehmen.

Karine Lambert macht es uns leicht, mitzufühlen. Sie beschreibt die Szenen so, dass es uns erscheint, als würden wir den rosigen Blütenduft selbst riechen. So, als fühlten wir das zarte Gras über unsere eigenen Fingerkuppen streichen.

Der unsichtbare Garten lehrt uns, einen Gang runter zu schalten. Zu akzeptieren und zu achten, was ist. Und dass es so eigentlich auch ganz okay ist.

«Wenn ich noch einmal jung wäre, würde ich mich viel früher der Langsamkeit verschreiben. Beeil dich mit der Langsamkeit, das würde ich dir gern mit auf den Weg geben.»

– Seite 197

Alles ändert sich – der Charakter bleibt gleich

Manchmal zwingen uns die Bedingungen des Lebens, Dingen zu tun, die wir nie freiwillig getan oder für möglich gehalten hätten. Manchmal sagen dann andere: Hey, du hast dich aber verändert! Aber was, wenn wir uns gar nie verändern, sondern nur immer mehr zu uns selbst werden?

👉 Das Buch ging mir sehr nahe. Die Krankheit überrumpelt Vincent und ich habe da sehr mitgefiebert. Die Autorin hat sich während der Recherche mit vielen Blinden oder Betreuenden ausgetauscht, was dazu geführt hat, dass die geschilderten Situationen und Probleme, mit denen sich Blinde im Alltag auseinandersetzen müssen, sehr realistisch und glaubhaft wirken.

Der unsichtbare Garten ist keinesfalls ein melancholisches Buch. Es erinnerte mich vielmehr an das Gefühl, wie wenn ich meine Hände in die sonnengewärmte Erde stecke: Irgendwie hart und trotzdem sanft. Herb und trotzdem sehr berührend. Ich kann den Roman sehr empfehlen.

Der unsichtbare Garten

von Karine Lambert

aus dem Französischen von Pauline Kurbasik (Originaltitel: Toutes les couleurs de la nuit. Calmann-Lévy, 2019.)

Diana Verlag (Penguin Random House) | 2020 | 252 Seiten

ISBN 978-3-641-25616-6 | eBook ePUB

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