Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Sachbuch | Lust auf ein Buch, das den Horizont erweitert? Yuval Harari beleuchtet die Menschheitsgeschichte in seinem meisterhaftem Werk aus einer völlig neuen Perspektive. Erkenntnisse und Aha-Momente garantiert.
Eine Hand hält das Buchcover vor einem Rosenstrauch mit gelblich bis orangen Rosenblättern. Die Sonne scheint in die grünen Blätter des Strauchs. Das Cover ist mittig positioniert.

Ich interessiere mich nicht nur für Geschichten – auch für Geschichte. Darum habe ich kaum einen Moment gezögert, als mir «Eine kurze Geschichte der Menschheit» empfohlen wurde. Klar, dass ich es lesen würde. Geschichte gibt mir die Möglichkeit, durch das Früher das Heute besser zu verstehen. Also tauchte ich ein, in das rund 500-seitige Buch.

Heute frage ich mich: Was soll ich in diesem Blogartikel bloss schreiben? Die Themen des Buches sind so breit gefächert, so viele Learning bereit, erzählt zu werden, dass ich kaum weiss, wo ich beginnen soll. Nun, soviel vorab: Das Buch ist definitiv zu empfehlen. Ich finde sogar, jeder Mensch der Welt sollte es gelesen haben.

Der Homo Sapiens und die Themenvielfalt

Ausgangspunkt und Verbindungselement sämtlicher Erklärungen von Yuval Harari ist stets der Homo Sapiens. Thematisch springen wir dann aber schnell hin und her: von einem ziemlich unauffälligen Tier zur landwirtschaftlichen Revolution und weiter zum grössten Betrug der Geschichte (wie er es nennt). Später spricht Harari über die Macht der Religionen, über die wissenschaftliche Revolution und den Kapitalismus. Er erzählt von Weltreichen, vom Frieden und vom chemischen Glück.

An einer Stelle spricht er von selbst erbauten «Wahrheiten» und legt nahe, wie Geld, Gesetze oder der Markt nur existieren können, solange wir alle davon überzeugt sind, dass sie existieren. Stell dir einmal vor, alle Menschen auf der Welt würden auf einmal nicht mehr an den Wert von Aktien glauben. Was würde dann wohl passieren?

Einzigartige Ausdrucksweise und Erklärungen

Hararis Schreibstil ist glasklar, seine Herleitungen präzise und nachvollziehbar und sein Ton leicht provokativ. Er verknüpft Ereignisse und Daten interdisziplinär und formuliert in einfachen Worten komplexe Zusammenhänge.

Das war es, was mich wohl am meisten beeindruckt hat: Trotz der hohen Informationsdichte liest sich «Eine kurze Geschichte der Menschheit» enorm flüssig und ist total spannend und unterhaltsam.

Überzeuge dich selbst. Hier spricht Harari über die landwirtschaftliche Revolution:

«Wenn keine DNA mehr übrig ist, dann ist die Art ausgestorben, genau wie eine Firma Pleite geht, wenn sie kein Geld mehr hat. Wenn eine Art auf viele DNA-Moleküle verweisen kann, ist sie ein Erfolg und floriert. So gesehen sind tausend Exemplare besser als hundert. So funktioniert unterm Strich auch die landwirtschaftliche Revolution: Sie ernährte mehr Menschen, wenn auch unter schlechteren Bedingungen.

Aber warum sollten sich die Einzelnen für die Rechenspiele der Evolution interessieren? Warum sollte ein vernünftiger Mensch freiwillig seinen Lebensstandard senken, nur um mehr Sapiens-DNA in die Welt zu setzen? Aber diese Frage stellt sich so nicht, denn niemand entschied sich bewusst für dieses Tauschgeschäft. Die Menschen stimmten nicht über die landwirtschaftliche Revolution ab. Sie liefen in eine Falle.»

– Seiten 108/109

Einmal begonnen, konnte ich das Buch kaum mehr weglegen. Ich erlebte beim Lesen unzählige Aha-Momente und finde echt, allen täte es gut, dieses Buch zu lesen. Was sie dann mit dem Wissen anstellen, sei ihnen überlassen. Schaden würde es aber generell niemandem.

Ein kleiner Wermutstropfen gab es dann aber doch: Harari legt relativ negative Zukunftsvisionen an den Tag, die zwischen den Zeilen immer wieder mitschwangen. Möglicherweise sind diese übertrieben, möglicherweise wird die Zeit sie bewahrheiten? Wie auch immer – die weitere Geschichte der Menschheit wird’s zeigen.

👉 Hast du Lust, den heutigen Menschen und seine Geschichte mal aus einer neuen, unkonventionellen Perspektive zu betrachten? Dann ist dies definitiv ein Buch für deine Leseliste. Meinen Horizont hat es deutlich erweitert.

Coverbild Yuval Harari Eine kurze Geschichte der Menschheit ©Pantheon Verlag

Eine kurze Geschichte der Menschheit

von Yuval Noah Harari

aus dem Englischen von Jürgen Neubauer (Brief History of Man | Kinneret Zmora-Bitan Dvir)

Pantheon Verlag | 2015 | 528 Seiten

ISBN 978-3-570-55269-8 | Klappenbroschur

Zum Buch

2 Kommentare

  1. Zeilentänzerin

    Hey du =)
    Als ich deine Rezension las, wurde mir direkt bewusst, dass es bei mir auch unbedingt wieder Zeit für ein Sachbuch wird. Und dieses klingt wirklich sehr gelungen.

    Zeilentänzerin

    Antworten
    • Noëmi

      Ah, wie schön. Ja, Sachbücher sind super spannend. 🙂 Und Hararis Buch kann ich wirklich sehr empfehlen.

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

8 − acht =

Tolino mit Cover zweit.nah neben Blumenstrauss mit Rose

Lina Mallon: Zweit.nah

Biografie/Ratgeber | Was bedeutet es, nicht nur verliebt zu sein, sondern eine Beziehung zu führen? Wie machst du mit deinem Single-Ich Schluss, ohne dich selbst zu verlieren in einem WIR? Und weiss eigentlich irgendjemand, wie sich eine gute Beziehung anfühlen soll? – Mit «zweit.nah» stellt Lina Mallon die moderne Beziehung in den Fokus, die auf so viele Arten grossartig sein kann – wenn wir uns trauen, sie zuzulassen.

Coverbild vor Yuca Pflanze

Wolfram Fleischhauer: Drei Minuten mit der Wirklichkeit

«Drei Minuten mit der Wirklichkeit» von Wolfram Fleischhauer ist ein mitreissender Roman, wie ich schon lange keinen mehr gelesen habe! Als Mischung von Polit-Thriller und dramatischer Liebesgeschichte ist man von der ersten Seite an mitten im Geschehen und wie gebannt. Es vollzieht sich so manche Wendung der Geschichte, die es einem kaum erlauben, Atem zu holen. Ein richtig gutes Buch.

Cover vom Buch verbotene Liebe vor einem Blumenbouquet

Karin Wenger: Verbotene Lieder

Reise- & Kulturreportage / Biografie | Karin Wenger erzählt von der afghanischen Sängerin Mina und wie diese ein vom Krieg geprägtes Leben lebt und dennoch an ihren Träume festhält: «Noch bin ich jung, noch darf ich träumen, noch kann ich singen.»