H.D. Thoreau: Walden

Autobiografie | Thoreaus Betrachtungen zur Einfachheit und Naturverbundenheit sind zeitlos und inspirierend. Ein lesenswertes Werk, das uns dazu ermutigt, bewusster zu leben und die Schönheit der Natur zu schätzen.
Das Buch steht draussen in der Natur zwischen abgeschnittenen Hortensien-Stängeln. Ein erstes Frühlingsgrün ist zwischen den Stängeln auszumachen.

Ein Leben in Einfachheit

Henry David Thoreau, ein rebellischer Geist des 19. Jahrhunderts, zieht sich für zwei Jahre in die Einsamkeit des Waldes am Walden Pond, einem kristallklaren See in der Nähe seiner Heimatstadt Concord, Massachusetts, zurück. In seinem 1845 erschienenen Buch «Walden» gibt er Einblick in sein einfaches Leben in dieser Zeit.

Thoreaus Erzählungen sind nicht nur eine Chronik seiner persönlichen Erfahrungen, sondern auch eine Reflexion über den Wert der Einfachheit und die Suche nach einem authentischen Leben in einer zunehmend hektischen Welt.

Wir sitzen alle in der Patsche

Thoreau ist in der Tat ein rebellischer Geist. Einmal landet er im Gefängnis, weil er sich weigert, Steuern für einen Staat zu zahlen, dessen Struktur und Handeln er nicht gutheisst.

Er missbilligt die rasanten Entwicklungen in einer immer schneller werdenden Welt, in der es von allem immer mehr gibt. Der Mensch braucht wenig, so seine These. In seinen etwas deutlicheren Worten:

«Meiner Ansicht nach sitzt der Mensch in der Patsche, der durch ein Astloch oder durch ein Tor gekrochen ist und nun seine Schlittenladung Möbel nicht nachziehen kann.»

– Seite 88

Wie viele Schlittenladungen Möbel besitzen wir heute?

Beobachtungen und Erkenntnisse aus der Natur

Während seines Aufenthalts am Walden Pond macht Thoreau faszinierende Beobachtungen an der ihn umgebenden Natur. Er baut Bohnen an, isst einen Teil davon und verkauft den Rest. Im Sommer fährt er täglich mit seinem Boot zum Fischen hinaus, im Winter legt er sich bäuchlings auf den zugefrorenen See und beobachtet die Fische in den Tiefen des glasklaren Sees.

Doch es bleibt nicht beim Beobachten. Fast philosophisch beschreibt er den Wert der Natur und wie sie uns bereichert.

1845 geschrieben – heute aktueller denn je

Henry David Thoreau schreibt sein Buch in einer Zeit, in der sich die Welt rasant beschleunigt: Das 19. Jahrhundert ist geprägt von Maschinenbau, Pionierleistungen und Entdeckergeist. Und um 1845 wird übrigens auch der Grundstein für die heutige Schweiz gelegt: Mit der Bundesverfassung von 1848 wird die Schweizerische Eidgenossenschaft zum heutigen Bundesstaat.

Natürlich lebt Thoreau nicht in der Schweiz – aber die Auswirkungen der technischen Entwicklungen und der Industrialisierung sind bis nach Amerika zu spüren. Auch dort werden Eisenbahnschienen verlegt, auch dort tuckern Dampflokomotiven durchs Land. Und Thoreau flieht vor dieser immer schneller werdenden Welt in die Einfachheit des Waldes.

👉 Walden hat mich beeindruckt, Thoreau hat mich beeindruckt. Denn er hat keine Angst. Nicht vor der Dunkelheit im Wald, nicht vor dem Staat, dessen Regeln er sich nicht unterwerfen will. Nicht vor den Konventionen der Gesellschaft und schon gar nicht vor den Mäusen im Keller im Winter.

Er widersetzt sich allem, was ihm in die Quere kommt und lebt fröhlich, zufrieden in einem selbstbestimmten und gelassenen Tempo. Das hindert ihn aber nicht daran, weitschweifende philosophische Überlegungen über das Leben anzustellen und alles Mögliche zu hinterfragen.

Ich denke, wir würden gut daran tun, es ihm ab und an gleichzutun.

Das Cover von Walden zeigt den Blick aus einem Wald auf Bäume. Aussen ist er Bildausschnitt dunkler, im Inneren ein helles Grün.

Walden – oder vom Leben in den Wäldern

von Henry David Thoreau

Original: Walden; or, Life in the Woods. Ticknor and Fields Verlag 1854, Boston

Grundlegende Überarbeitung der Deutschen Erstübersetzung (Eugen Diederichs 1905) durch Regina Rossbach

Kampa Pocket Verlag | 2021 | 416 Seiten

ISBN 978-3-311-15023-7 | Taschenbuch

Zum Buch

Disclaimer: Rezensionsexemplar von Verlag

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