Seraina Kobler: Nachtschein

Kriminalroman aus Zürich | Lust auf einen Krimi aus Zürich? Dann los – dieses Buch ist nicht nur für Zürich-Liebhaber:innen ein Muss, sondern auch für alle, die hochwertige Kriminalromane zu schätzen wissen.
Eine Hand hält einen eReader von Tolino, darauf ist das Coverbild von «Nachtschein» von Seraina Kobler zu sehen. Im Hintergrund sind grüne Pflanzen und eine hölzerne Fensterbank zu sehen.

Ein nahbarer Zürich-Krimi

Seraina Kobler entführt uns nach «Tiefes, dunkles Blau» in ihrem zweiten Band 2 der Rosa Zambrano-Reihe «Nachtschein» erneut in die pulsierende Stadt Zürich. Wir begleiten die charismatische Seepolizistin Rosa Zambrano in einem rätselhaften Mordfall, der nicht nur die düsteren Abgründe der glänzenden Banken-Stadt beleuchtet, sondern auch Rosa von einer ganz persönlichen Seite zeigt.

Die Autorin beschreibt die Szenen so, dass sie lebendig vor dem inneren Auge entstehen können und ohne sich dabei in überflüssige Details zu verlieren. Dieser Schreibstil lässt Raum für die eigene Fantasie. So habe ich Situationen nachempfinden können und mich dabei gefühlt, als stünde ich direkt neben Rosa, blicke in ihr Notizbuch oder stelle mit ihr Vermutungen über Täterschaft und Tathergang an.

Realistisch – oder doch wie im Film?

Besonders beeindruckt hat mich die Fähigkeit der Autorin, Emotionen und Atmosphären ohne explizite Benennungen einzufangen. Das macht die Geschichte tiefgründig und lebendig. Und auch die Handlungen sind geschickt verknüpft, Szenen sind auf das Maximum gekürzt und erinnern in ihrer Dramaturgie an eine spannende Fernsehserie.

Die Einbindung von historischen oder auch aktuellen Elementen in die Handlung, wie das Züricher Bauprojekt Ypsilon, dessen Pläne gemäss dem Nachwort der Autorin noch heute in der Zentralbibliothek Zürich eingesehen werden können, verleiht dem Buch eine erfrischende Authentizität und zeigt, wie tief die Autorin in die Materie eingetaucht ist. Man hat das Gefühl, dass «Nachtschein» sich genauso in der realen Welt abspielen könnte.

Die Protagonistin zur Freundin gemacht

Rosa Zambrano ist mir im Laufe der Geschichte zu einer guten Freundin geworden. Sie hat wie wir alle ihre persönlichen Stärken, Schwächen und Herausforderungen im Leben. Sie bäckt Torten, wenn sie Zeit für sich braucht – kenne ich 🤭 – oder ihre Familie hat mit Differenzen zu kämpfen und auch in Sachen Liebe ist nicht immer alles so einfach. Und dann wäre da auch noch ihr lang gehegter Kinderwunsch, der sich irgendwie nur schwer mit Job und einem fehlenden festen Partner in Verbindung bringen lässt.

👉 Ich habe mich verliebt. In das Buch. In den Schreibstil. Und auch in die Protagonistin. Mal abgesehen davon, dass sie immer zu spät kommt, ist Rosa mir sehr sympathisch und ans Herz gewachsen. Dieses Buch ist nicht nur für Zürich-Liebhaber:innen ein Muss, sondern auch für alle, die hochwertige Kriminalromane zu schätzen wissen. Seraina Kobler gehört definitiv zu den aufstrebenden Talenten im Krimi-Genre.

Das Coverbild von «Nachtschein» zeigt einen weissen Schwan auf dem Wasser schwimmend. Es ist Nacht und im Hintergrund sieht man die Lichter von Zürich in der Nacht glänzen.

Nachtschein. Ein Zürich-Krimi

von Seraina Kobler

Diogenes Verlag | 2023 | 256 Seiten

ISBN 978-3-257-61344-5 | eBook ePUB

Zum Buch

Disclaimer: Rezensionsexemplar von Verlag

2 Kommentare

  1. Zeilentänzerin

    Hey =)
    Ich liebe Diogenes. Allein deshalb schon habe ich mich an deiner Rezension erfreut. Freut mich, dass es dich vollumfänglich begeistern konnte.

    Zeilentänzerin

    Antworten
    • Noëmi

      Huhu du liebe. Ja, Diogenes hat ein spannendes Verlagspgrogramm. 🙂

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

3 + drei =

Titelbild Nomaden von Laetoli, ©Foto: Buchgezwitscher

H. S. Eglund: Nomaden von Laetoli

Roman | Die Wissenschaft basiert auf Fakten, Tatsachen und logischen Denkweisen. Was aber, wenn sich eine wissenschaftliche Beobachtung auf einmal nicht mehr logisch erklären lässt?

Dr. Marcus Täuber: Gedanken als Medizin

Dr. Marcus Täuber analysiert die Selbstheilungskräfte unseres Gehirn aus der Sicht eines Hirnforschers. Er untersucht die Auswirkungen von Stress auf das Gehirn und die konkreten Vorgänge, die selbiger im Körper auslöst. Er sieht unser Gehirn als Werkzeug, das in der Lage ist, auf die körperlichen Funktionen einzugreifen und sie auf gewünschte Art und Weise neu zu formen. Die Frage dabei ist: Wie weit kann und darf man gehen?

Claire Adam: Goldkind

Zwillinge wie schwarz und weiss. Eine liebende Mutter, ein strenger Vater. Eine Paradiesinsel. Die Schule. Ein Einbruch. Ein Sturm. Ein verlorener Sohn. Und schliesslich ein Anruf, der einen Vater eine Entscheidung fällen lässt, die nie jemand sollte fällen müssen.