Pascal Stäuber: Hier und jetzt ist alles gut

Roman | Wollen wir Lesende auch schwere Burnout-Emotionen nachempfinden? Meine Antwort: Ja, irgendwie schon – wenn sie ehrlich, authentisch und aus hoffnungsvoller Perspektive geschrieben sind.
TAGS: Romane
Eine Hand hält das Buchcover «Hier und jetzt ist alles gut» von Pascal Stäuber vor einer Betonwand, die reich mit wildem Traubenblättern bewachsen ist. Es ist Herbst und die Blätter weisen Farben von einem hellen Grün bis zu einem warmen Rot auf.

Mit «Hier und jetzt ist alles gut» präsentiert Pascal Stäuber ein beeindruckendes Debüt. Das Buch ist im Mai 2023 im Bucher Verlag erschienen. Es erzählt von Ben, der sich allmählich von einem Burnout erholt: Wir erleben mit, wie ihn plötzlich die Panik umgibt, die Dunkelheit verschlingt. Und wie ihn die Erinnerung an früher, an eine alte Freundschaft, an die schönen, verträumten und auch selbstbewussten Momente allmählich wieder auf Trab bringen.

Einfach mal Pause drücken

Der Roman erinnert uns daran, wie wichtig es ist, selbst ab und an mal den Kopf zu lüften. Pausen einzulegen. Nicht nur die 15 Minuten bei der Arbeit, sondern auch zwischen den Arbeitstagen. Handy, Laptop aus und einfach machen, wozu man gerade Lust hat. Die Mails können problemlos auch einfach einmal einen Tag unbeantwortet bleiben. Oder?

«Ja, bei uns renne alle von morgens früh bis abends spät dem Geld hinterher. Sie vergessen das Leben[.]»

– Seite 239

Stimmungen, Gefühle und Sehnsüchte

Pascal Stäuber wählt für seinen Erstling kein leichtes Thema: Ein Burnout bedeutet schwere, in der Tiefe lauernde und wenig schöne Emotionen. Als Lesende wollen wir in Büchern Gefühle nachempfinden und miterleben. Aber wollen wir wirklich die negativen Gefühle, die gezwungenermassen mit einem Burnout oder einer Depression einhergehen, nachempfinden?

Meine Antwort ist: Ja, irgendwie schon. Wenn sie ehrlich und authentisch sind. Und gleichwohl in einem verdaulichen Masse vermittelt. Schon früher hatte ich einmal einen Roman von Felipe Vasques zum Thema Burnout gelesen. Später dann auch ein Sachbuch von Dr. med. Mirriam Priess, weil ich es genauer wissen wollte. Ich ging also nicht ganz unkritisch an Stäubers Buch heran.

Aber es hat mich überzeugt. Und weisst du warum? Weil Pascal Stäuber die Stimmungen, Gefühle und Sehnsüchte einfühlsam beschreibt. Es geht nicht darum, möglichst rasch wieder gesund zu werden. Klar, das auch. Aber man spürt den Struggle des Protagonisten. Wie er kämpft, um über die Trauer hinwegzukommen – auch wenn er gar nicht so genau weiss, wogegen er eigentlich kämpft.

Irland – malerisch und roh zugleich

Während Ben krankgeschrieben ist und zuhause die Zeit totzuschlagen versucht, erinnert er sich an seine Irland-Reise mit seinem besten Freund Thommy. Gemeinsam waren sie vor vielen Jahren mit Zug, Bus und per Anhalter nach England gereist, dann weiter nach Irland. Sie rauchten unzählige Zigaretten, brannten für leidenschaftliche Musik und gutes, irisches Bier und liessen sich treiben.

«Galway versprühte Internationalität und Grösse. Intellekt und Kunst. Mit Liebe und Zärtlichkeit. Und – wie irgendwie alles in Irland – mit einer wohligen Melancholie, die sich der schnellen und oft oberflächlichen Moderne entgegenstellte.»

– Seite 235

Diese Schilderungen und die Beschreibungen der Landschaften entfachten in mir den Wunsch, das malerische Irland selbst mal zu besuchen und mich in der rauen Natur dort treiben zu lassen.

👉 Der Roman hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Er erzählt die Geschichte eines kreativen Mannes, gefangen im Hamsterrad unserer Zeit, und wie er seinen inneren Künstler und Naturbeobachter nach langer Zeit wiederfindet:

«Glück hatte etwas mit Loslassen zu tun, daran erinnerte sich Ben in diesem Moment, in dem die Schneeflocken auf sein Gesicht fielen.»

– Seite 334
Das Coverbild «Hier und jetzt ist alles Gut» von Pascal Stäuber zeigt den Blick in einem nebligen Wald gen Himmel. Die schwarzen Baumstämme wachsen von allen Rändern in Richtung Bildmitte. Der Titel des Buches ist in gelborangen Lettern über das ganze Cover gezogen und bilden einen klaren Kontrast zum bläulichen Hintergrund.

Hier und jetzt ist alles gut

von Pascal Stäuber

Bucher Verlag | 2023 | 344 Seiten

ISBN 978-3-99018-683-1 | Hardcover mit Umschlag

Zum Buch

Disclaimer: Rezensionsexemplar von Verlag

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

eins × vier =

Eine Hand hält das Buchcover vor einem Rosenstrauch mit gelblich bis orangen Rosenblättern. Die Sonne scheint in die grünen Blätter des Strauchs. Das Cover ist mittig positioniert.

Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit

Sachbuch | Lust auf ein Buch, das den Horizont erweitert? Yuval Harari beleuchtet die Menschheitsgeschichte in seinem meisterhaftem Werk aus einer völlig neuen Perspektive. Erkenntnisse und Aha-Momente garantiert.

Bernhard Aichner: Totenfrau

Blum, die Bestatterin. Blum, die liebende Ehefrau. Blum, die glückliche Mutter. Und dann plötzlich: Blum, die Witwe. Unfall mit Fahrerflucht. Das Leben ausgehaucht, das ganze Glück, die Sicherheit, der Halt – alles weg. Und warum? Die Antwort liegt 5 Jahre zurück.

Tolino mit Cover zweit.nah neben Blumenstrauss mit Rose

Lina Mallon: Zweit.nah

Biografie/Ratgeber | Was bedeutet es, nicht nur verliebt zu sein, sondern eine Beziehung zu führen? Wie machst du mit deinem Single-Ich Schluss, ohne dich selbst zu verlieren in einem WIR? Und weiss eigentlich irgendjemand, wie sich eine gute Beziehung anfühlen soll? – Mit «zweit.nah» stellt Lina Mallon die moderne Beziehung in den Fokus, die auf so viele Arten grossartig sein kann – wenn wir uns trauen, sie zuzulassen.