Lina Mallon: Zweit.nah

Biografie/Ratgeber | Was bedeutet es, nicht nur verliebt zu sein, sondern eine Beziehung zu führen? Wie machst du mit deinem Single-Ich Schluss, ohne dich selbst zu verlieren in einem WIR? Und weiss eigentlich irgendjemand, wie sich eine gute Beziehung anfühlen soll? – Mit «zweit.nah» stellt Lina Mallon die moderne Beziehung in den Fokus, die auf so viele Arten grossartig sein kann – wenn wir uns trauen, sie zuzulassen.
Tolino mit Cover zweit.nah neben Blumenstrauss mit Rose

In zweit.nah schliesst die Fotografin, Kolumnistin und Autorin Lina Mallon nahtlos an schnell.liebig an (ich habe hier bereits davon berichtet). Lina schreibt in ihren Büchern von ihren Erfahrungen mit der Liebe, mit Männern, Dates und von der Suche nach sich selbst.

Das Liebesabenteuer geht weiter

Nach etlichen Dates hat Lina nun einen Menschen getroffen, mit dem sie es langsam angehen und einfach nur Zeit mit ihm verbringen möchte. Sie will sich mit Herz und Seele auf ihn einlassen. Doch erweist sich dies nach einer langen Zeit als Single als gar nicht mal so einfach. 

Erneut sehr persönlich und mit viel Offenheit erzählt Lina von Slow Dating und davon, wie es sich anfühlt, sich auf eine psychische statt nur physische Nähe einzulassen. Sie schreibt von Zweifel, Labels und davon nicht aufzugeben und sich langsam an den neuen Beziehungsstatus zu gewöhnen.

Lina macht sich Gedanken darüber, was in-einer-Beziehung-sein überhaupt bedeutet. Sie findet heraus, dass «Beziehungsunfähigkeit» mit viel Unsicherheit und Angst zu tun hat und deckt so offenbar ein Problem einer ganzen Generation auf. Mit einem Partner in Beziehung sein, bedeutet immer auch sich abhängig zu machen. Und genau davor fürchtet sich Lina.

Die moderne Frau und die Beziehung

Lina steht für Selbstbestimmtheit und dafür, (als Frau) ein unabhängiges Leben zu führen. Doch da hadert die Autorin nun. Denn auf einmal will sie mehr. Sie will eine Beziehung führen, aber dennoch nicht von ihrer Selbstbestimmtheit abgeben. Sie will mit jemandem zusammenleben, aber trotzdem ihre Wünsche erfüllen und Träume ausleben. Wieviel Rücksicht kann und will sie nehmen? 

Soviel sei verraten: Lina findet einen Weg, lernt zu vertrauen – sich und anderen – und dabei zu wachsen. Sie beobachtet und hinterfragt Angewohnheiten in ihren Beziehungen und in denen ihrer Freunde und wirft damit auch gesellschaftliche Fragen auf. 

Autobiografischer Roman oder Ratgeber?

Lina schreibt bildgewaltig, flüssig und harmonisch. Ihre Texte sind leicht verständlich und es fühlt sich beinahe so an, als würde sie vor dir sitzen und dir ihre Geschichte live erzählen. 

Wie auch bei schnell.liebig ist es schwierig, zweit.nah einem einzelnen Genre zuzuordnen. Die Handlung stützt sich auf autobiografische Erlebnisse. Die Tipps, die uns Lina in jedem Kapitel mit auf den Weg gibt, erinnern an einen Ratgeber. Und die bunte Mischung aus erzählten Szenen und konkreten Gesprächen, die Lina wiedergibt, lässt uns das Buch nahezu als Roman lesen. 

Welches Genre auch immer: Zweit.nah ist auf jeden Fall persönlich. Konkret. Ehrlich. Aufrecht. Kurzweilig. Und trifft den Nerv der Zeit.

Zweit.nah – Wie wir lieben, wenn wir uns wagen

von Lina Mallon

Eden Books Verlag | 2021 | 203 Seiten

ISBN 978-3-95910-312-1 | eBook ePUB

2 Kommentare

  1. Zeilentänzerin

    Hey, ich habe die Kolumnen von Lina Mallon die letzten Jahre intensiv verfolgt und bin deshalb sehr neugierig auf das Buch. Hab es heute bestellt.

    Eine sehr schöne Rezension von dir!

    Zeilentänzerin

    Antworten
    • Noëmi

      Herzlichen Dank, liebe Zeilentänzerin, das freut mich sehr. Bin sehr gespannt, was du dann von zweit.nah hältst! 🙂

      Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

elf + zehn =

Das Buchcover von «Ellenbogenland» von Stephan Weiner ist vor einem Laubboden zu sehen, worin weisse Christrosen blühen. Ein paar grüne Blätter der Christrose sind ebenfalls zu sehen.

Stephan Weiner: Ellbogenland

Roman | Was macht ein Literaturabsolvent nach seinem Studium und wie findet er seinen Platz in der Arbeitswelt? Humorvoll, direkt und philosophisch reflektiert ein Absolvent seine ersten Schritte nach dem Studium.

Andreas Russenberger: Bahnhofstrasse

Roman | Philipp Humboldt, Professor an der Universität Zürich, erhält den Auftrag, ein Firmenportrait über die Privatbank von Werdenberg zu verfassen. Der Direktor will seine Bank verkaufen, der Erlös soll der Stiftung seiner Tochter zugutekommen. Als bei den Recherchearbeiten Unstimmigkeiten auftreten, beginnt Philipp auf eigene Faust zu ermitteln und stösst auf alte Geheimnisse.

Buchcover neben weisser Orchidee

Iris Wolff: So tun, als ob es regnet

Roman in vier Erzählungen | In vier Erzählungen beschreibt Iris Wolff die Figuren Jacob, Henriette, Vicco und Hedda und überspannt dabei mühelos Zeit und Raum. Mit zarter Stimme lässt sie Raum zum Träumen.