Michelle Halbheer: Platzspitzbaby

Biografie | Michelle Halbheer wuchs mit ihrer drogenabhängigen Mutter auf dem Platzspitz vor dem Landesmuseum Zürich auf und erzählt heute von ihrer Kindheit voller Angst und Gewalt.
Buchcover vor Palme

Dieses Buch musste ich nach dem Lesen erst einmal weglegen und verdauen. Zwar schon seit 2013 veröffentlicht, bin ich erst kürzlich dank eines Tipps darüber gestolpert. «Sehr mitreissend geschrieben» sei es, aber «inhaltlich schono happig», befand die Kollegin. Finde ich nach der Lektüre eindeutig auch: Platzspitzbaby hat mich emotional sehr mitgenommen und berührt.

Die Tochter einer Heroinabhängigen

Michelle Halbheer beschreibt im Buch ihre Kindheit. Sie ist die Tochter von Sandrine, die ihrerseits keinen leichten Start ins Leben hatte und so leider viel zu früh den harten Drogen verfiel. Michelle wagt es viele Jahre später über die unzumutbaren Umstände von damals zu sprechen. Sie erzählt sehr persönlich, spricht über grauenvolle Details und die entwickelten Strategien und Überlebensmechanismen eines alleine und sich selbst überlassenen Kindes.

Die vergessenen Kinder

Mit dieser sehr intimen Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, ist eine bewusste Entscheidung der Autorin. Sie hat inzwischen Jura studiert und setzt sich für die Kinder von drogenabhängigen Eltern ein. Michelle Halbheer will aufklären, helfen und beschützen. Sie möchte diesen oft vergessenen Kindern eine Stimme verleihen. Sie macht darauf aufmerksam, dass in der Betreuung von Drogenabhängigen heute immer noch sehr viel falsch läuft und kämpft mit Recht und Aufklärungsarbeit dafür, dass sich dies ändert: Oft werden die Eltern mit Entzugsprogrammen unterstützt, während deren Kinder aber selten betreut werden.

Michelle Halbheers Mut ist beachtlich, denn diese Tätigkeit bedeutet für sie auch, dass sie täglich mit ihren Erinnerungen konfrontiert ist. Mit der Entscheidung für die Kinder und zu der Veröffentlichung ihrer eigenen Geschichte setzt sie auch die Beziehung zu ihrer Mutter aufs Spiel, für die sie teilweise alles getan hätte. Ich habe grossen Respekt und Achtung vor Michelle Halbheer und wünsche ihr viel Kraft und Durchhaltevermögen für diese absolut lohnenswerte Aufgabe.

Ganz grosse Leseempfehlung

Das Buch wurde von Michelle Halbheer in Zusammenarbeit mit der Journalistin Franziska K. Müller, die auch das Vorwort geschrieben hat, verfasst. Die Worte und Erzählungen treffen schlicht ins Herz. Ein Buch, das sich auf jeden Fall zu lesen lohnt. Seit 2020 gibts übrigens auch einen vom Buch inspirierten Film Platzspitzbaby. Hier gehts zu Trailer und Film.

Buchcover Platzspitzbaby ©Wörterseh Verlag

Platzspitzbaby – Meine Mutter, ihre Drogen und ich

von Michelle Halbheer und Franziska K. Müller

Wörterseh Verlag | 2013 | 224 Seiten

ISBN 978-3-03763-035-8 | Hardcover mit Umschlag

Zum Buch

2 Kommentare

  1. Zeilentänzerin

    Hey du, das klingt nach sehr harter Kost, umso schöner, wenn ein solches Buch so lesenswert geschrieben wurde, sodass sich auch Betroffene gesehen fühlen.

    Zeilentänzerin

    Antworten
    • Noëmi

      Hi liebe Zeilentänzerin, ab und an darf harte Kost sein, oder? 🙂 es ist auf jeden Fall sehr empathisch formuliert.

      Antworten

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